Scheden

Scheden

 

Aufgrund der heimatkundlichen Forschungen und des Einsatzes des Bodendenkmalspflegers F.B. Jünemann, ist uns heute erfreulicherweise  bekannt, dass im Bereich der heutigen Grundschule bereits vor 80-90-tausend Jahren  von Neandertalern aus hartem Tertiärquarzit Klingen, Spitzen, Schaber und Faustkeile geschlagen wurden. Ab 1956 wurden die weithin verstreut liegenden Schlagplätze gesucht und abgesucht, es konnten mehrere Hunderte altsteinzeitliche Quarzitgeräte gesammelt werden. Auf einer Anhöhe am „Hohen Stein“ wurden auch drei jungsteinzeitliche Felsgesteinbeile und eine dreieckige Pfeilspitze sowie Feuersteinsplitter gefunden. Auch Funde aus der Jungsteinzeit oder einer noch älteren Stufe,  z.B.  der Fund einer Geröllkeule auf einem Acker in Mülmerode, geben Zeugnis von sehr frühzeitigen Ansiedlungen . Östlich des Dorfes liegen ca. 22 kleine Hügelgräber, die nach Untersuchungen  wohl der früheren Bronzezeit um 1500-1600 v.Chr. zuzuordnen sind. Diese Funde und Zeugnisse altsteinzeitlicher oder jungsteinzeitlicher Ansiedlungen geben uns zwar Kunde über eine sehr frühe Besiedelung dieses Gebietes, sind jedoch nicht mit einer direkten Gründung des späteren „villa Schitun“  zusammenhängend. Am Fuße des Hunsberges entlang des Wasserlaufes der Schede  dürfte  ca. im 3.-4.Jh. die  Keimzelle dieses Dorfes mit etwa 9 Höfen  an der Stelle des heutigen „Plan“ entstanden sein. Die erste urkundliche Erwähnung  des heutigen Dorfes Scheden erfolgte  erst wesentlich später in der Schenkungsurkunde im Jahre 1046 des Kaisers Heinrich III, der einen Hof in Scheden ( villa Schitun) in der damaligen Grafschaft Herimanns im Leinegau verschenkte.  Nach  dieser Urkunde verschenkte der Kaiser sein „praedium in villa Schitun… situm in comitatu Herimanni comitis et in pago Lochne dicto…“. Weiterhin sind rund um den heutigen Ort die früheren Ansiedlungen  wie Grophagen, Wetenborn, Rusthagen, Godenhagen, Bevingen, Borstveldeshagen und Kerndal bekannt, deren Bewohner ihre Siedlungen aufgaben und nach Scheden und Dransfeld zogen, so siedelten die Bewohner von Wetenborn mit großer Wahrscheinlichkei im Bereich Mitte Quantzstraße,  hierdurch entstand im Wesentlichen das heutige Dorfbild eines Straßendorfes oder aufgrund der Siedlungsform richtiger als „Waldhufensiedlung“.   Die Überreste der alten Siedlungen Grophagen und auch Wetenborn zeugen noch heute von der Besiedelung, die durch  Missernten, Fehden und Wassernot wohl aufgegeben wurden. So wie im Teilbereich Oberschedens sich die Bewohner Wetenborns ansiedelten, taten dies im Bereich des Dorfes Niederscheden die Bewohner der Wüstung Elbingen, südöstlich von Mielenhausen gelegen. Der Hauptgrund der Ansiedlung entlang des Bachlaufes dürften die besseren Erntemöglichkeiten gewesen sein. Erst 1398 unterscheidet man erstmals Oweren und Nederen Scheden, noch im Jahre 1203 wird nur der Ort Sceden genannt, auch andere Schreibweisen sind aus den vorhandenen Urkunden des Hauptstaatsarchivs Hannover bekannt geworden, so z.B. „Schevden, Sceden, Scheddin, Scheeden“. Ab 1268 allerdings überwiegt die Schreibweise Scheden. Bis Mitte des 19. Jh. war Scheden oder besser gesagt, waren die beiden ab 1398 bekannten Orte Oweren Scheden und Nederen Scheden bäuerlich geprägt. Bekannt ist die Ansiedlung des Handwerkes mit Schmieden und großen Mühlen, aber auch des Leineweberhandwerks, zumal der Anbau von Lein, Hanf und Getreide  wohl die wichtigsten Anbauprodukte neben der Schafzucht waren. Zeugnis von dem Bestehen des Handwerks geben uns u.a. die Eintragungen in den Kirchenbüchern. So ist dort z.B. auch die  Geburt des berühmtesten Sohnes unseres Dorfes verzeichnet; der am 30. Januar 1697 geborene Sohn eines Hufschmiedes Johann Joachim Quantz. Mit dem Bau der Eisenbahn 1851/52 kam der Wandel. Viele Einwohner fanden Arbeit  zunächst beim Bau der Eisenbahn, aber zunehmend auch bei den entstehenden Industriebetrieben. So entstand mit dem Bau des Bahnhofes im Jahre 1870 und dem Bau der Drahtseilbahn vom Meenser Basaltabbau zum Schedener Bahnhof um 1890 eine Verladestation. Hinzu kam  bereits 1895 der Bau einer Molkerei, die auch für umliegenden Ortschaften und Bauern ein wichtiger Wirtschaftsfaktor war. 1897 erfolgte die Gründung und Bau der Kramer- Jünemann’schen Blechfabrik, das heutige Stanzwerk Oberscheden  und der Natermann’schen Blechwarenfabrik , heute AVI. Die vorhandene Wasserkraft der Schede war für beide Betriebe von großem Vorteil. Einher mit dem Einzug der Industriebetriebe ging die Gründung der Raiffeisen-Genossenschaft durch die Initiative des  Kantors Brüggemann. 1908 folgte dann der Bau der „Wüstenfeld’schen“ Zuckerfabrik, deren Betriebsanlagen 1956 von dem Kaufmann Herbert Mohr erworben wurden, der seitdem dort eine Futtermittelfabrik betreibt. Aber nicht nur die Ansiedlung von Industriebetrieben ist von besonderer Bedeutung, vielmehr ist hier auch der Wandel der Landwirtschaft in besonderer Weise zu nennen. 1884 –85 erfolgte die Verkoppelung mit der Ablösung der Gerechtsamen und Gründung der Realgemeinden. Bestandteil der  Verkoppelung war auch die Aufgabe der Dreifelderwirtschaft. So wie aus dem zunächst nur einem „Schitun“ langsam durch das Hinzukommen der Ansiedelungen der Wüstungen zwei Ortschaften entstanden waren, so begann 1951  mit dem Zusammenschluß der beiden Sportvereine   „TUS Oberscheden 04 und SV Schededörfer 1926“ zu einem Verein „TUS Schededörfer 1904“ langsam der Prozeß der  Vereinigung beider Dörfer. So wurden bereits 1959 die beiden Schulen von Oberscheden und Niederscheden zusammengelegt und 1961 der Schulzweckverband der Schededörfer Bühren, Dankelshausen, Mielenhausen, Ober- und Niederscheden mit Meensen gegründet, der 1962 die Mittelpunktschule, die Johann Joachim Quantz Schule, baute.    Zwei Jahre später erfolgte als Erweiterung des Schulzentrums der Bau der Turnhalle. Die Mittelpunktschule besteht heute als Grundschule für die bisherigen am Zweckverband beteiligten Gemeinden und Dörfer. 1964 dann erfolgte die Vereinigung der beiden Dörfer Niederscheden und Oberscheden zu Scheden in deren neuer Ortsmitte dann ein Gemeindezentrum mit Sparkasse und Gemeindebüro entstand. Dieser Prozeß vom reinen Agrardorf hin zu einem Dorf mit Handel, Handwerk und Industrie, der im 19. Jahrhundert begann, konnte bis heute erhalten und mit dem Bau des Betriebes Fritz Matthes, Feinwerktechnik fortgesetzt werden. Dieser kontinuierliche Weg Schedens führte gemeinsam mit der langsam  zurückgehenden Landwirtschaft zum Erhalt und Ausbau von über 500 Arbeitsplätzen, so dass Scheden noch heute neben der Stadt Dransfeld ein wichtiger Industrie- und Gewerbestandort ist.  Im Zuge der Verwaltungsreform 1972/1973 wurde die Großgemeinde Scheden gegründet, zu der nunmehr auch die Dörfer Dankelshausen und Meensen gehören. Die hieraus entstandene Gemeinde Scheden ist ihrerseits Mitglied der Samtgemeinde Dransfeld.

In Blau ein silberner Wellenbalken, belegt mit einer goldenen Hausmarke in Form eines oben mit einem Kreuz  besteckten, durchbrochenen Dreiecks. Begründung: Ober- und Niederscheden haben sich 1964 unter dem alten Namen SCHEDEN zusammengeschlossen. Dieser Zusammenschluß soll auch im GEMEINDEWAPPEN  zum  Ausdruck kommen. Der silberne Wellenbalken ist für die Schede/die blauen Felder oberhalb und unterhalb des Wellenbalkens sind für die Ortsteile Ober- und Niederscheden gesetzt. Die goldene Hausmarke, die verbindend darüber liegt, stand einst im Siegel des Henning von Scheden, Schultheiß zu  Münden. Urkunde aus dem Jahre 1347, Schlossarchiv Adelebsen Or.Nr. 6. Das Zeichnen einer alten aus SCHEDEN stammenden und sich „von Scheden“  nennenden Familie ist damit zum Symbol des Zusammenschlusses geworden. Durch Verfügung vom 26. Juni 1970 hat der Herr Regierungspräsident in Hildesheim der Gemeinde SCHEDEN genehmigt, das von ihrem Rat am 7. März 1969 einstimmig beschlossene WAPPEN wie das entsprechende SIEGEL und die FLAGGE blau-weiß-blau zu führen.

 

Wappen-Scheden-Ort

Lang  hingezogen am quellstarken Schedebach und im Nordosten überragt vom turmgekrönten Basaltberg des Hohen Hagen liegt das alte DORF SCHEDEN.
Bereits am 2. August 1046 wird der Ort als „villa Schitun in pago Lochne“/Dorf Scheden im Leinegau/ durch Dotation des Königs Heinrich III an das Kloster Hilwartshausen in Fritzlar ausgewiesen./ Nieders. Staatsarchiv Hannover, Urk. Cal.Or.Des.100 Kloster Hilwartshausen Nr. 10/
Später kommt es unmittelbar unterhalb des Ortes am Lauf der Schede zur  Gründung einer weiteren Siedlung. 1398 finden wir Nederen-Scheden und Overen- Scheden verzeichnet. Beide Namen bleiben an den Schedebach gebunden, in dessen Benennung die Sprachforscher eine Herleitung von „scheiden“/“abgrenzen“ vermuten.